Woyczeck/Gäste
Das Drama Woyzeck, als Fragment von Büchner hinterlassen, hat zum Zentrum den armen Soldaten, um den sich die Gesellschaft mit ihren Moralvorstellungen rankt. Der Doktor, erpicht auf wissenschaftlichen Ruhm, benutzt ihn als Versuchskaninchen. Der Hauptmann benutzt ihn als Spiegel seiner philosophischen Exkurse; Woyzeck ist ihm weit überlegen. Marie, seine Freundin mit dem gemeinsamen unehelichen Kind, beträgt ihn. Der Tambourmajor schlägt ihn einfach aus Lust an der Gewalt zusammen. Woyzeck ist nur ein Reagierender, er ist Gefangen im Netz der gesellschaftlichen Ordnung.
Im Zentrum unserer Inszenierungen stehen aber auch Kinder, die an dem “munteren Treiben “ um Woyzeck lebhaften Anteil nehmen, Voyeuristen der Gesellschaft, denen das Leben vorgelebt wird, welches sie später selber leben oder erfahren. Wir wollen hier den Umgang mit Realität in den Augen der Kinder beleuchten, welche Zeugen aller Geschehnisse werden, die moralisch fragwürdig sind. Allerdings sind die Kinder noch nicht in der Lage, diese Momente der Beobachtung einordnen zu können, somit wird unreflektiert das nachgespielt, was ihnen vorgelebt wird. Das ist Heute.
Hier setzt auch die Betrachtung der Politik um Woyzeck ein, denn heute geschieht nichts anderes. Gewalt in der Familie gebärt Gewalt in den zukünftigen Generationen. Resignation folgt auf Resignation. Sexualität wird unreflektiert ausgeübt. Die heutigen Medien sind die Zeugen, auf welche sich die Kinder der Zukunft berufen, Werteverfall ist die Folge, Destruktivismus das Ergebnis, mit welchem wir Jahre zu kämpfen haben.
Die Frage nach Bildung steht hintan, da die Realität durch Medien gesteuert wird – aus Schein wird Sein, nur Woyzeck kämpfte dagegen an. Sein Handeln geriert sich aus dem Nicht-Handeln, Alfred Kerr schreibt in seiner Kritik zur Uraufführung: “Bei alledem bleibt wahr: dass Woyzeck durch seine Machtlosigkeit justament furchtbarsten Einspruch erhebt. Dass er am tiefsten angreift – weil er halt nicht angreifen kann “. Ein Antiheld wird zum Helden.
Gast, der; -[e]s, Plur. Gäste ist Synonym von: Fremde, der ist Teilwort von: Gäste empfangen, Gäste bewirten, auf Gäste warten, gastlich sein, für besondere Gäste reserviert, ungebetene Gäste, Gäste-WC
Gästeempfangen: wollen Kathrin und Erich in ihrem neuen Hotel ”Zur Kathrin “, neu eröffnet im umgebauten ehemaligen Saustall des Bauern Hagedorn. Acht Monate haben die beiden geschuftet, um ins idyllische Alt – Kreumel endlich wieder neues Leben zu bringen. Das ganze Dorf wollen sie mitreißen. Zuerst sollen die Gäste kommen und danach folgt das Glück schon von ganz allein.
Gäste bewirten: wollen alle Dorfbewohner, so auch die Bauern Hagedorn und Äpfel – Treitschke. Der eine mit hausgeschlachteten Schnitzeln, der andere mit bestem Obst und Gemüse, natürlich aus ökologischem Anbau. Doch Hagedorn findet keine Kunden und Treitschkes Selbstgebrannten trinkt das ganze Dorf, aber kein zahlender Gast. Das Obst verrottet so wie die Dorfbewohner selbst: Alt – Kreumel ist von der Rezession schwer getroffen.
Auf Gäste warten: müssen nun alle und setzen ihre gesamte Rest – Hoffnung auf das Hotel “Zur Kathrin “ – gastlich will Erich sein, damit es sich rumspricht in der Gegend. JEDER Kunde ist König.
Und dann eines Tages steht ER wirklich in der Tür:
Der Gast