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Ich bin allein und die Maus ist allein - zu zweit aber, können wir Freunde sein.

Was in dem Rathaus alles passiert, werdet ihr kaum glauben. Manchmal streiten sich erwachsene Leute um Geld, um Straßen und sogar um Kindergärten und Schulen. Da kann ich nur katermäßig kichern. Diese großen Leute gehen doch gar nicht mehr in die Schule oder in den Kindergarten. Ach ja, jetzt fällt es mir ein, diese Leute nennen sich Räte oder Rätin.

Ob mir mal einer erklären kann, was das für Typen sind? Beobachtet habe ich auch, dass die Stadt in den letzten Jahren richtig cool geworden ist. Ihr Kinder seht das vielleicht nicht so, aber ein Stadtkater, das könnt ihr mir glauben, der kennt jeden Winkel, jeden Hinterhof und jedes Haus. Ganz toll sind die Parkanlagen und besonders der große Märchenstein. Ach, was habe ich da schon für schöne Geschichten gehört.

Das einzige Problem welches ich habe, ist meine Einsamkeit.

Was nützt die schönste Stadt, wenn man keine Freunde hat.

Freilich, vor meiner Nase auf dem Marktplatz stehen seit ewigen Zeiten zwei große Männer. Der eine nennt sich Luther, der andere Melanchthon. Manchmal erzählen die sich Etwas, es ist lauter so studiertes Zeug, das kann kein Kater verstehen.

Vor einiger Zeit aber, da habe ich echte Freunde gefunden. Und das war so:

Am Abend strolchte ich durch die Stadt. Am Eckhaus am Markt hörte ich plötzlich ein fröhliches Lachen. Das Lachen kam von einem Balkon, an dem geschrieben steht:

” Chamäleon ”

Ich hatte Glück, die Haustüre stand offen. Heimlich schlich ich mich hinein und huschte ungesehen in die Wohnung. Potz, Blitz, wo war ich denn? Ein paar junge Leute spielten Theater. An einer Nähmaschine saß eine Frau und nähte ganz ulkige Kleider. In der Ecke stand ein Computer, so einer, wie man sie im Rathaus auch sieht und ganz viel Bücher. “Komischer Laden” , dachte ich, ansonsten fand ich das echt cool.

Ich wollte mich gerade in den nächsten Raum schleichen, als plötzlich zwei Hände zugriffen und mich gefangen nahmen.

”Wer bist du, was machst du hier?” fragte jemand hinter mir. Ängstlich erklärte ich, dass ich der Stadtkater sei und auf der Suche nach Freunden.

Ja, und so begann eine tolle Freundschaft.

Während ich ihnen erzählte, wie gut ich Wittenberg kenne, kamen sie auf die Idee, ich könnte doch mit Kindern einen Stadtbummel machen und ihnen erzählen, wie es früher war. Ehe ich mich versah, kam die Frau von der Nähmaschine. Sie fummelte mit einem Maßband an mir herum und als ich meine Krallen ausfuhr, sagte sie : “Halt doch mal still, ich will dir etwas Schickes schneidern.”

Also Kinder, ich, Conrad der Stadtkater, lade euch ein, mit mir die Stadt kennen zulernen. Schön ist, dass ihr schreiben und malen könnt. Ich fände es nämlich super, wenn wir alles was wir gemeinsam unternehmen, festhalten würden. Ach ja, und noch etwas, wenn ihr mir mal schreiben wollt, kann ja sein, dass ihr auch mal einen Freund braucht, dann müsst ihr das auf jeden Fall machen. Ein bisschen lesen und schreiben kann ich ja, das habe ich mir im Rathaus angelernt. Also Kinder, meldet euch bei meinen neuen Freunden, den Leuten des Theaterjugendclub ” Chamäleon “ und wir werden uns bald persönlich kennen lernen.

Euer Conrad